Vertikale Grün- und Wasserräume verbinden Begrünung, Biodiversität und Wassermanagement
Am Südufer der Maas in Rotterdam könnte mit Rotterdam ROCKS! ein außergewöhnliches Bauprojekt entstehen. Mehrere organisch geformte, felsartige Baukörper sollen übereinandergestapelt und intensiv begrünt werden. Pflanzflächen, Terrassen, Wasserläufe und öffentliche Wege verbinden die einzelnen Ebenen zu einer vertikalen Landschaft.
Das rund 20.000 m² große Projekt ist als erste „Shift Embassy“ der Shift Foundation vorgesehen. Im Mittelpunkt des Konzepts stehen Klima, Wasser, Biodiversität, Ressourcen und Energie. Nachhaltigkeit soll dabei unmittelbar innerhalb des Gebäudes und seiner Freiräume erlebbar werden.
Bauwerksbegrünung wird Teil der Stadtlandschaft
Das Konzept geht über eine klassische Dach- oder Fassadenbegrünung hinaus. Die Landschaft an der Maas soll sich über die Baukörper hinweg nach oben fortsetzen. Begrünte Terrassen, Pflanzflächen und öffentliche Wege schaffen zusätzliche Grün- und Aufenthaltsbereiche und verbinden die einzelnen Felsformationen.
Die Bauwerksbegrünung wird dabei mit ökologischen Funktionen verknüpft. Unterschiedliche Ausrichtungen und Neigungen der Flächen erzeugen verschiedene Bedingungen hinsichtlich Sonne, Schatten, Wind und Feuchtigkeit. Auf diese Weise sollen Standorte für unterschiedliche Pflanzen und Lebensräume entstehen.
Auch die Gebäudehülle ist Bestandteil des Begrünungskonzepts. Nischen, Vertiefungen, Kanäle und bepflanzte Bereiche bieten Platz für Substrate, Wurzeln und Vegetation. Gleichzeitig sollen Rückzugs- und Nistmöglichkeiten für Vögel und andere Tiere entstehen.
Wasser wird in die Begrünung integriert
Eine wesentliche Rolle spielt die Verbindung von Vegetation und Wassermanagement. In den Visualisierungen verlaufen Wasserläufe kaskadenartig über die begrünten Felsformationen. Wasser wird damit zu einem sichtbaren Bestandteil der vertikalen Grünstruktur.
Vorgesehen sind außerdem Flächen und Systeme zur Wasserrückhaltung und -filterung. Niederschläge sollen nicht lediglich möglichst schnell abgeführt, sondern in das Gesamtsystem aus Gebäude, Begrünung und Freiraum eingebunden werden. Damit verbindet Rotterdam ROCKS! zwei Aufgabenfelder, die auch für den Garten- und Landschaftsbau bei klimaangepassten Außenanlagen von Bedeutung sind.
Das Konzept greift damit einen zentralen Ansatz der Schwammstadt auf: Niederschlagswasser wird möglichst vor Ort zurückgehalten und als Ressource genutzt. Begrünte Flächen können Wasser aufnehmen und speichern. Vegetation und Verdunstung tragen zugleich zur Verbesserung des Mikroklimas bei.
Unterschiedliche Pflanzflächen schaffen Lebensräume
Die geplante Vegetation reicht von größeren begrünten Flächen mit Sträuchern und Bäumen über geneigte Pflanzbereiche bis zu vertikalen Begrünungen und bepflanzten Überhängen. Durch diese unterschiedlichen Standorte soll auf und an den Baukörpern eine vielfältige Vegetationsstruktur entstehen.
Vegetation, Substrat und Wasser treffen dabei auf unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen. Das Konzept schafft dadurch nicht nur das charakteristische Erscheinungsbild der begrünten Felsformationen, sondern soll zugleich zusätzliche Lebensräume innerhalb der Stadt ermöglichen.
Die Bauwerksbegrünung übernimmt damit mehrere Funktionen. Sie soll Wasser zurückhalten, Vegetation ermöglichen, Schatten bieten, Lebensräume schaffen und zur ökologischen Aufwertung der Umgebung beitragen. Begrünung wird bei Rotterdam ROCKS! damit zu einem funktionalen Bestandteil der geplanten Architektur.
Schwammstadtprinzip reicht bis in das Bauwerk
Eine Besonderheit des Projekts ist die Übertragung des Schwammstadtprinzips auf die vertikale Gebäudestruktur. Wasserrückhaltung, Speicherung und Filterung werden mit Pflanzflächen und Verdunstung verbunden. Gleichzeitig sollen unterschiedliche Lebensräume auf mehreren Ebenen entstehen.
Die begrünten „Felsen“ werden so zu vertikalen Grün- und Wasserräumen. Rotterdam ROCKS! zeigt damit, welche Funktionen eine umfassend gedachte Bauwerksbegrünung übernehmen könnte, wenn Vegetation, Wassermanagement, Gebäude und öffentlich nutzbare Freiräume gemeinsam geplant werden.
